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Luca (App)
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Luca (Markenschreibweise luca app) ist eine COVID-19-App zur Datenbereitstellung fĂŒr eine Kontaktpersonennachverfolgung, um nach Auftreten einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mögliche Infektionsketten nachverfolgen und unterbrechen zu können. Die App kann dazu verwendet werden, um sich etwa beim Besuch eines Restaurants zu registrieren. GesundheitsĂ€mter können spĂ€ter auf diese Daten zugreifen, um GĂ€ste zu kontaktieren, die möglicherweise von einem Infektionsfall an diesem Ort betroffen sind.

Rechtsgrundlage fĂŒr die Datenverarbeitung ist die Dauer der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite § 28a Abs. 1 Nr. 18 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), unabhĂ€ngig davon bis zum Ablauf des 19. MĂ€rz 2022 § 28a Abs. 7 Satz 1 Nr. 8, Abs. 10 IfSG. Eine Weitergabe der ĂŒbermittelten Daten durch die zustĂ€ndigen Stellen oder eine Weiterverwendung zu anderen Zwecken als der Kontaktnachverfolgung ist juristisch ausgeschlossen (§ 28a Abs. 4 Satz 6 IfSG). Anfragen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach Nutzerdaten fĂŒr Zwecke der Strafverfolgung erreichten den Betreiber nach eigenen Angaben jedoch „fast tĂ€glich“.cite-ref-luca-2022-jan-07-3-0[3] Nachdem die Polizei in Mainz gemeinsam mit dem Gesundheitsamt bei der Suche nach Zeugen auf Daten aus der Luca-App zurĂŒckgegriffen hatte, riefen einige Politiker öffentlich dazu auf, die Luca-App von den mobilen Telefonen zu löschen.cite-ref-t-online-2022-jan-07-4-0[4]

Die App wurde aufgrund von SicherheitslĂŒcken und DatenschutzmĂ€ngeln von vielen Experten kritisiert. Trotz diverser MĂ€ngel wurden die Lizenzen der App von mehreren BundeslĂ€ndern eingekauft. Luca-generierte QR-Codes lassen sich auch mit der Corona-Warn-App scannen.

Die Entwicklung des Systems begann Ende 2020.cite-ref-br24-5-0[5] Bis zum Auslaufen der VertrĂ€ge mit den BundeslĂ€ndern Ende MĂ€rz 2022 hatten sich laut Luca 450.000 Locations und etwa 40 Millionen BĂŒrger registriert.cite-ref-br24-5-1[5] Im April 2022 gaben die Betreiber bekannt, dass die Luca-App bis auf weiteres nicht mehr zur Kontaktverfolgung eingesetzt werden wĂŒrde, und stattdessen in eine App zum „Buchen, Bestellen und Bezahlen in Restaurants oder auch Check-ins in Hotels“ umgewandelt werden solle.cite-ref-br24-5-2[5]

Contents

‱ Kritik
‱ Geofencing
‱ Dark Pattern
‱ Reaktionen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Funktionsweise

Wer die Luca-App verwenden will, muss diese zunĂ€chst auf seinem mobilen EndgerĂ€t installieren, seinen Namen, seine Kontaktdaten sowie die Mobilfunknummer in der Luca-App registrieren. Dann kann z. B. beim Eintritt in ein Konzert oder beim Betreten eines Restaurants ein QR-Code gescannt werden, der zuvor vom Konzertveranstalter, Restaurantbetreiber oder – im Falle eines privaten Treffens – von einer Privatperson erzeugt wurde. Im Restaurant ersetzt das Scannen des Codes handschriftliche GĂ€stelisten. Beim Scannen wird ein sogenannter Check-In des Besuchs erstellt. Damit sollen spĂ€ter Kontakte nachvollzogen und entstandene Infektionsketten ermittelt werden. Die so gesammelten Daten werden verschlĂŒsselt bei Luca bzw. deren Dienstleistern abgelegt, und nach Angaben von Luca können nur die zustĂ€ndigen GesundheitsĂ€mter ausschließlich im Infektionsfall auf die Daten zugreifen.cite-ref-datenschutzerkl-rung-6-0[6] Dies ist im Infektionsschutzgesetz (IfSG) auch so vorgesehen, das jedoch die Weitergabe der Daten an Dritte ausschließt (§ 28a Abs. 4 IfSG). Dies hielt jedoch die Mainzer Polizei nicht davon ab, Daten aus der Luca-App mit Hilfe des örtlichen Gesundheitsamts zu bekommen, um sie fĂŒr Ermittlungen zu verwenden.cite-ref-swr-2022-jan-07-7-0[7]

GĂ€steregistrierung

WĂ€hrend der COVID-19-Pandemie mussten bestimmte Unternehmen nach den entsprechenden Verordnungen der BundeslĂ€nder die Kontaktdaten aller GĂ€ste erfassen.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Dies betraf die Gastronomie und – je nach Bundesland – Fitness-Studios, sonstige Sportveranstalter, Frisöre, Kinos, Theater, KonzertsĂ€le, Senioren- und Pflegeheime, Kirchen etc. Diese Einrichtungen werden im Folgenden als Locations bezeichnet. Die Locations sollten im Infektionsfalle den GesundheitsĂ€mtern Auskunft ĂŒber Kontaktdaten erteilen. Dies sollte den GesundheitsĂ€mtern ermöglichen Kontakte nachverfolgen zu können (s. u.), um Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung von COVID-19 einzudĂ€mmen.

Gastronomen, Konzertveranstalter sowie andere Unternehmer, im Folgenden als Location-Betreiber bezeichnet, konnten die Kontaktdaten ihrer GĂ€ste mit der Luca-App digital erfassen.cite-ref-betreiber-11-0[11]

Jeder Gast registrierte sich in der Luca-App einmalig mit vollem Namen und Anschrift, ggf. E-Mail-Adresse sowie einer Mobilfunknummer. Die Mobilfunknummer wurde dabei mit einer TAN verifiziert.cite-ref-g-ste-12-0[12] FĂŒr den Gast erzeugte die Luca-App einen QR-Code, der sich minĂŒtlich Ă€nderte.cite-ref-faq-13-0[13] Diesen QR-Code konnte der Location-Betreiber beim Eintritt des Gastes scannen, um die Anwesenheit des Gastes zu erfassen. Alternativ konnten auch Betreiber fĂŒr eine Location einen QR-Code erstellen, den die GĂ€ste beim Eintritt scannen konnten.cite-ref-betreiber-11-1[11]

Bei der Erfassung der Anwesenheit wurden die verschlĂŒsselte Gast-ID, die Information ĂŒber die Location sowie Datum und Uhrzeit gespeichert.cite-ref-gesamtzusammenhang-14-0[14] Auf diese personenbezogenen Daten konnten nur die GesundheitsĂ€mter zugreifen, nachdem die Daten durch den Location-Betreiber freigeben wurden. Weder der Location-Betreiber noch der Betreiber der Luca-App konnten auf die Daten zugreifen.cite-ref-datenschutzerkl-rung-6-1[6]

Die Luca-App konnte ĂŒber Geofencing den Anwender auch selbstĂ€ndig an Locations ausbuchen. DafĂŒr musste die Freigabe der Standortdaten im Mobiltelefon ĂŒber die Systemeinstellungen aktiviert sein.cite-ref-g-ste-12-1[12]

Außerdem konnte ein Anwender mit der Luca-App einen Code fĂŒr ein privates Treffen (Familien- oder private Feier, Verabredung, spontane Treffen u. Ă€.) erstellen. Mit diesem Code konnten sich dann die anderen Teilnehmer fĂŒr das Treffen registrieren.cite-ref-faq-13-1[13]

2022 wurde die Kontaktdatenerfassung zur Infektionsverfolgung abgeschafft. Daher wird diese FunktionalitÀt von der Luca App nicht mehr angeboten.

Kontakttagebuch

Epidemiologen und Virologen empfehlen, ein sogenanntes Kontakt-Tagebuch zu fĂŒhren.cite-ref-15[15] Dabei sollten vor allem sog. Cluster-Situationen notiert werden, d. h., Situationen, von denen absehbar eine erhöhte Ansteckungsgefahr ausgeht, weil sich mehrere Menschen, z. B. in einem Innenraum, treffen. Das Kontakt-Tagebuch soll als GedankenstĂŒtze dienen, mit deren Hilfe ein Infizierter dem Gesundheitsamt (oder direkt den Freunden, Verwandten oder Bekannten) mitteilen kann, wo bzw. mit wem er sich in den letzten 14 Tagen aufgehalten hat, damit das Gesundheitsamt eine Kontaktnachverfolgung (s. u.) durchfĂŒhren kann.

Die Luca-App erzeugt aus den o. g. Check-Ins auf dem Smartphone des Anwenders eine sog. Historie,cite-ref-g-ste-12-2[12] die dem empfohlenen Kontakt-Tagebuch entspricht. In der Historie werden diese Check-Ins gespeichert. Checkt ein Benutzer per Webinterface oder SchlĂŒsselanhĂ€nger (s. o.) ein, wird die Historie auf einem Server des Luca-Systems angelegt.cite-ref-faq-13-2[13] Die Daten der privaten Treffen werden im Infektionsfall nicht an das Gesundheitsamt ĂŒbertragen, sondern dienen nur als GedankenstĂŒtze.

Kontaktnachverfolgung

Kontaktverfolgung (Kontaktpersonennachverfolgung, engl. “contact tracing”) ist das Ermitteln und Nachverfolgen von Kontaktpersonen von Infizierten, also Personen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten und sich daher infiziert haben könnten. Ziel ist, solche Kontaktpersonen zu finden und zu isolieren, bis entweder bestĂ€tigt ist, dass sie nicht infiziert sind (Freitesten), oder sie nicht mehr ansteckend sind (QuarantĂ€ne). Auf diese Weise sollen Infektionsketten unterbrochen werden.

Mit dem Luca-App-System können die GesundheitsÀmter Kontaktpersonen von Infizierten schneller ermitteln: Wird ein Anwender der Luca-App positiv auf SARS-CoV-2 getestet, kann er seine Historie (Kontaktdatenbuch) dem Gesundheitsamt mittels einer zwölfstelligen Transaktionsnummer (TAN) freigeben. Dadurch sendet die Luca-App des Getesteten alle Veranstaltungsorte der letzten 14 Tage (laut der Programm-Historie) an das Luca-System.cite-ref-gesundheitsamt-16-0[16] Ausnahme sind private Treffen (s. o.).

Das Gesundheitsamt fordert dann ĂŒber das Luca-System die entsprechenden Veranstalter auf, die Kontaktdaten aller GĂ€ste, die zur selben Zeit wie der Meldende am jeweiligen Veranstaltungsort waren, ans Gesundheitsamt zu ĂŒbertragen. Die Veranstalter können dieser Aufforderung ĂŒber das Webinterface des Luca-App-Systems folgen. Anschließend stehen die Kontaktdaten dem Gesundheitsamt ĂŒber ein Webinterface zur VerfĂŒgungcite-ref-gesundheitsamt-16-1[16] und können entweder in dieser Webanwendung verwendet oder in dessen System zur Kontaktnachverfolgung ĂŒbernommen werden.cite-ref-faq-13-3[13] Die o. g. Verifizierung der Mobilnummer soll sicherstellen, dass zumindest diese Nummer korrekt ist.

Damit erhĂ€lt das Gesundheitsamt die Kontaktdaten aller GĂ€ste, die in den letzten 14 Tagen zur selben Zeit am selben Ort wie der Meldende angemeldet (“checked in”) waren. Das Befragen des Infizierten, eventuelle ErinnerungslĂŒcken sowie das aufwendige und zeitintensive Beschaffen, Entziffern und Abgleichen handschriftlicher GĂ€stelisten entfallen.

Risikokontakt-Warnung

Die Risikokontakt-Warnung soll Menschen warnen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten und möglicherweise dadurch infiziert wurden, damit sie sich isolieren, testen und ggf. frĂŒhzeitig in Behandlung geben können.

Über die Luca-App werden im Zuge der Kontaktnachverfolgung (s. o.) Anwender alarmiert, die zur selben Zeit am selben Ort wie der Meldende registriert waren. Diese Alarmierung wird durch das jeweilige Gesundheitsamt ausgelöst. Falls ein Anwender die App nach dem jeweiligen Check-In deinstalliert hat, wird er per SMS informiert.cite-ref-faq-13-4[13]

Anbindung der GesundheitsÀmter

Die Kontaktnachverfolgung durch die GesundheitsĂ€mter kann ĂŒber das Webinterface des Luca-App-Systems fĂŒr GesundheitsĂ€mter erfolgen.cite-ref-faq-13-5[13]

ZusĂ€tzlich gibt es eine Anbindung an die in den GesundheitsĂ€mtern verwendeten Systeme zur Kontaktnachverfolgung. Diese erfolgt entweder ĂŒber die Schnittstelle des jeweiligen Systems oder ĂŒber Ex- und Import ĂŒber bestimmte Standardformate.cite-ref-faq-13-6[13] Das Luca-System ist nicht an die Schnittstellen von z. B. SORMAScite-ref-17[17]cite-ref-18[18] oder OctoWare TNcite-ref-faq-13-7[13] angeschlossen, sondern nutzt die Möglichkeit Standardformate zu importieren.

Voraussetzungen

Damit Veranstalter das Registrieren (Einchecken) mit der Luca-App anbieten können, muss das örtliche Gesundheitsamt ans Luca-System angeschlossen sein (siehe Verbreitung).cite-ref-faq-13-8[13]

Anwender können die Luca-App nutzen, auch wenn das örtliche Gesundheitsamt noch nicht angeschlossen ist, entweder bei Reisen in Regionen, in denen die Veranstalter ans Gesundheitsamt angeschlossen sind oder fĂŒr private Treffen (s. o.).cite-ref-faq-13-9[13]

Personen, die kein kompatibles Smartphone haben oder die Luca-App nicht installieren wollen, können ihre Daten in einem Restaurant z. B. ĂŒber ein Kontaktformular des Web-Interfaces der Luca-App eingeben. Die Luca-Web-App erzeugt daraus den Check-In. Alternativ können Anwender einen SchlĂŒsselanhĂ€nger mit einem QR-Code erwerben, ĂŒber den sie eingecheckt werden (beim Bestellvorgang werden dann die gleichen Daten wie in der App angegeben und auf dem Server des Systems hinterlegtcite-ref-gesamtzusammenhang-14-1[14]).

Ohne die App können keine private Treffen (s. o.) initiiert werden, aber ein Ersteller privater Treffen kann Teilnehmer mit QR-Code-SchlĂŒsselanhĂ€nger einchecken. GĂ€ste, die die Luca-App auch nicht per Webinterface oder SchlĂŒsselanhĂ€nger nutzen möchten, mĂŒssen sich weiterhin handschriftlich in GĂ€stelisten eintragen.cite-ref-faq-13-10[13]

Technische Umsetzung und Datenschutz

Laut Angaben des Betreibers der Luca-App werden „die generierten Daten [
] dezentral verschlĂŒsselt und teilen sich ebenfalls auf drei Schnittstellen auf: Gastgeber, Gast und Gesundheitsamt. Nur im Falle einer Infektion setzen sich die Daten wie bei einem Puzzlespiel zusammen und sind dann fĂŒr das Gesundheitsamt lesbar. Gastgeber, Veranstalter, Betreiber, wir selbst, oder Dritte, haben zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die Daten. Die einzelnen Puzzleteile sind auf ISO-27001 zertifizierten Servern in Deutschland gespeichert.“

Aus der Darstellung des Gesamtsystems durch den Betreibercite-ref-securityconcept-19-0[19]cite-ref-betreiber-11-2[11]cite-ref-g-ste-12-3[12]cite-ref-faq-13-11[13]cite-ref-betreiber-11-3[11]cite-ref-datenschutzerkl-rung-6-2[6]cite-ref-20[20] kann man folgendes Datenschutzkonzept schließen:

Auf dem Smartphone des Gastes liegen seine Kontaktdaten und seine Historie der letzten 30 Tage.

Auf den ISO-27001-zertifizierten Servern der Luca Betreibercite-ref-system-21-0[21] liegen

‱ die Gast-Anwender-DatensĂ€tze, die die mit dem SchlĂŒssel des Gesundheitsamts verschlĂŒsselten Kontaktdaten eines Gast-Anwenders mit seiner GĂ€ste-ID verknĂŒpft;
‱ die Location-DatensĂ€tze mit den Kontaktdaten der Location;
‱ die Check-In-DatensĂ€tze, die die Location-ID und mit einer zufĂ€lligen Identifikationsnummer des Gastes (s. u.), mit dem SchlĂŒssel des Gesundheitsamts verschlĂŒsselte GĂ€ste-ID sowie mit der Check-in- und -out-Zeiten verknĂŒpft. Die Check-In-DatensĂ€tze werden nach 30 Tagen gelöscht.cite-ref-securityconcept-19-1[19]cite-ref-system-21-1[21]

Im Fall einer Infektion werden die Historie des Infizierten mit den Check-In-Daten der betroffenen Locations zusammengefĂŒhrt. FĂŒr alle betroffenen Locations werden zudem diejenigen Anwender-DatensĂ€tze jeder GĂ€ste zusammengefĂŒhrt, die zur selben Zeit in der jeweiligen Location eingecheckt waren. Damit erhĂ€lt das Gesundheitsamt alle Kontaktdaten von potenziellen Kontaktpersonen des Infizierten.

Dabei sind die personenbezogenen Check-In-Daten mehrfach verschlĂŒsselt:cite-ref-faq-13-12[13]cite-ref-22[22] Die User-ID (mit der in der Gast-Anwenderdatenbank die Kontaktdaten abgerufen werden können) wird auf dem Smartphone mit dem SchlĂŒssel des Gesundheitsamtes verschlĂŒsselt. Beim Check-In wird diese User-ID ein zweites Mal mit dem SchlĂŒssel des jeweiligen Location-Betreibers verschlĂŒsselt. Aufgrund der doppelten VerschlĂŒsselung können weder Location-Betreiber noch der Betreiber des Luca-App-Systems die personenbezogenen Daten lesen.cite-ref-faq-13-13[13] Das Gesundheitsamt kann die Kontaktdaten erst dann lesen, wenn sie vorher vom jeweiligen Location-Betreiber entschlĂŒsselt wurden. Positionsdaten oder IP-Adressen werden nicht gespeichert.cite-ref-gesamtzusammenhang-14-2[14]

Die in der App erzeugte temporĂ€re Identifikationsnummer, aus der der QR-Code erzeugt wird und die in den Check-In-DatensĂ€tzen gespeichert wird, Ă€ndert sich minĂŒtlich.cite-ref-g-ste-12-4[12] Dies soll verhindern, dass Bewegungsprofile gebildet werden können.

Wenn ein Infizierter seine Historie freigegeben hat (s. o.), fordert das Gesundheitsamt ĂŒber das Luca-Backend-System bei den Location-Betreibern die verschlĂŒsselte GĂ€ste-IDs an (s. o.), die der jeweilige Location-Betreiber mit seinem SchlĂŒssel entschlĂŒsselt. Selbst zu diesem Zeitpunkt können weder Location-Betreiber noch der Betreiber des Luca-App-Systems die GĂ€ste-IDs lesen, da diese immer noch mit dem SchlĂŒssel des Gesundheitsamts verschlĂŒsselt sind. Erst wenn das Gesundheitsamt diese Daten ĂŒbernommen und entschlĂŒsselt hat, sind diese – nur fĂŒr das Gesundheitsamt – lesbar.cite-ref-gesundheitsamt-16-2[16] Im MĂ€rz 2021 hat die Datenschutzkonferenz der LĂ€nder festgestellt, dass alle GesundheitsĂ€mter denselben privaten SchlĂŒssel zum EntschlĂŒsseln der Daten erhalten.cite-ref-23[23] Das Rollout der SchlĂŒssel ĂŒbernimmt die Bundesdruckerei, die als Dienstleister des Betreibers und/oder der GesundheitsĂ€mter fungiert.cite-ref-system-21-2[21]cite-ref-24[24]

Im Ergebnis kann, soweit das System nicht gehackt wird oder der private SchlĂŒssel abhandenkommt, niemand die Check-In-Daten lesen, bis auf das Gesundheitsamt, und das nur dann, wenn (1) der Infizierte seine Historie freigegeben hat und (2) die jeweiligen Location-Betreiber die Checks-Ins zu den Zeiten, zu denen der Infizierte in der jeweiligen Location war, entschlĂŒsselt haben.

Ersteller von privaten Treffen (s. o.) können die Namen der Teilnehmer sehen, die anderen Teilnehmer den Namen des Erstellers.

Der Hersteller hat das Ergebnis eines Penetrationstest durch die ERNW Enno Rey Netzwerke GmbH veröffentlicht.cite-ref-penetration-25-0[25] Danach wurden „bei der Sicherheitsbewertung des Luca-Umfelds [
] in einem Penetrationstest mehrere Schwachstellen mit mittlerem und niedrigem Schweregrad identifiziert. [
] Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts waren alle zuvor identifizierten Probleme behoben. Es wurde ein zusĂ€tzliches Problem identifiziert.“cite-ref-penetration-25-1[25]

Der Landesbeauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit von Baden-WĂŒrttemberg, Stefan Brink, hat nach PrĂŒfungsauftrag durch die Regierung von Baden-WĂŒrttemberg das Konzept der Luca-App (nicht jedoch, da Closed-Source, die Luca-App selbst), soweit zu dem Zeitpunkt bekannt, inhaltlich wie technisch geprĂŒft und bescheinigte der Gesamtlösung im Februar 2021 hohe Datenschutz-Standards.cite-ref-26[26]cite-ref-brink-27-0[27] „Die Dokumentation der erfolgten Kontakte wird auf technisch höchstem Stand verschlĂŒsselt und es liegt allein in der Hand des luca-Nutzers, ob, wann und mit wem er diese sensiblen Daten teilen möchte.“cite-ref-brink-27-1[27] Nachdem er fĂŒr diese Aussage mit Verweis auf die fehlende Veröffentlichung des Quelltexts kritisiert wurde, bestĂ€tigte er, dass eine ÜberprĂŒfung des Quelltexts nicht erfolgt war, seine Behörde aber geprĂŒft habe, welche Daten fließen und wie sie verschlĂŒsselt werden.cite-ref-wolfnagel-28-0[28]

Am 26. MĂ€rz 2021 bescheinigte die Konferenz der unabhĂ€ngigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der LĂ€nder, dass der Betreiber „nach derzeitiger Kenntnis der DSK“ mit dem Luca-System die Vorteile eines solchen Systems – Effizienzgewinn bei der GesundheitsĂ€mtern und bei der Dokumentationspflichten der Location-Betreiber mit besserem Datenschutz sowie eine Risikokontakt – realisiert und bisher identifizierte Risiken „teilweise behandelt“ hat. Die DSK forderte das Unternehmen auf, weitere Anpassungen an dem System vorzunehmen, um den Schutz der teilnehmenden Personen weiter zu erhöhen. So will die DSK mit dem Betreiber klĂ€ren, inwieweit die Datenspeicherung dezentralisiert werden könnte. DarĂŒber hinaus fordert die DSK Verbesserungen beim SchlĂŒsselmanagement, die Offenlegung des Quellcodes sowie einen systematischen Nachweis der Sicherheit des Systems gemĂ€ĂŸ DSGVO. Die DSK forderte darĂŒber hinaus eine gesetzliche Regelung mit Vorgaben fĂŒr eine bundesweit einheitliche datensparsame digitale Infektionsnachverfolgung.cite-ref-29[29]

Datenzugriff durch die Mainzer Polizei ohne Rechtsgrundlage

Am 7. Januar 2022 berichtete der SWR, die Mainzer Polizei habe fĂŒr Ermittlungen ohne rechtliche Grundlage auf Daten der Luca-App zugegriffen.cite-ref-swr-2022-jan-07-7-1[7] Gleich nach Bekanntwerden des Vorfalls forderte der Politiker Alexander Salomon (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) die BĂŒrger auf Twitter auf, die Luca-App sofort zu löschen und nur noch die Corona-Warn-App zu nutzen.cite-ref-30[30] Diesem Aufruf schloss sich Daniel Karrais (FDP) ebenfalls auf Twitter an und hob hervor, dass versprochen war, dass so etwas nicht passiere.cite-ref-31[31] Beide sind Abgeordnete im Landtag von Baden-WĂŒrttemberg.cite-ref-t-online-2022-jan-07-4-1[4] Dem Versprechen, dass so etwas nicht passieren wĂŒrde, glaubten Kritiker schon nicht, sie gehen sogar im Gegenteil davon aus, dass so etwas frĂŒher oder spĂ€ter passieren hĂ€tte mĂŒssen,cite-ref-32[32] und dass sogar eine Wiederholungsgefahr bestehe.cite-ref-33[33]

Bei dem Vorfall ging es um einen Mann, der nach Verlassen einer GaststĂ€tte schwer stĂŒrzte, so dass er intensivmedizinisch behandelt werden musste und nicht aussagen konnte, bis er schließlich starb. Um ein Fremdverschulden auszuschließen, suchte die Polizei öffentlich nach Zeugen,cite-ref-34[34] was auch in der Lokalpresse verbreitet wurde.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] Um Zeugen zu finden, fragte die Polizei auch eine Mitarbeiterin der GaststĂ€tte ausdrĂŒcklich nach Daten aus der Luca-App. Die Mitarbeiterin sei danach vom Gesundheitsamt gebeten worden, die Daten der GĂ€ste fĂŒr den betreffenden Abend freizugeben, was sie auch tat. Mit den Daten ermittelte die Polizei 21 GĂ€ste als mögliche Zeugen, die sie auch anrief.cite-ref-swr-2022-jan-07-7-2[7] Zeugen sagten nach der Mainzer Staatsanwaltschaft aus, dass der Mann vor seinem Sturz bei einem Streit mit einem anderen Mann „mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen“ worden sei. Ob diese Ohrfeige zum Sturz und schließlich zum Tod des Mannes fĂŒhrte, sei unbekannt.cite-ref-37[37]

Zum Vorfall selbst erklĂ€rte die Staatsanwaltschaft Mainz, es habe fĂŒr die Datenabfrage „keine hinreichende rechtliche Grundlage“ gegeben. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Mainz wĂŒrden hinsichtlich der Rechtslage sensibilisiert. Die Staatsanwaltschaft Mainz drĂŒcke ihr Bedauern gegenĂŒber den insoweit vom unzulĂ€ssigen Zugriff auf die Daten Betroffenen aus und bitte darum, diesen Zugriff zu entschuldigen. Es werde sichergestellt, dass die entsprechenden Daten nicht weiter genutzt wĂŒrden.cite-ref-swr-2022-jan-07-7-3[7]

Auch andere GesundheitsĂ€mter wurden von Strafverfolgern nach Daten aus der Luca-App gefragt; die Weitergabe der Daten wurde jedoch mit Verweis auf die Rechtslage abgelehnt.cite-ref-38[38] Ebenso werden die Luca-App-Betreiber, nach eigenen Angaben, von Polizei und Staatsanwaltschaft „fast tĂ€glich“ nach Daten aus der Luca-App gefragt. Sie lehnen jedes Mal ab, da sie schon aufgrund der VerschlĂŒsselung keine Daten herausgeben können. Zum Vorfall selbst sagen die Betreiber: „Wir verurteilen diesen Missbrauch der fĂŒr den Infektionsschutz erhobenen Daten der luca App und begrĂŒĂŸen die AnkĂŒndigung der Staatsanwaltschaft Mainz, hinsichtlich der Rechtslage zu sensibilisieren und die Daten nicht weiter zu verwenden.“cite-ref-luca-2022-jan-07-3-1[3] Auch die Kölner Betreiber von Recover, einer anderen App zur Kontaktnachverfolgung, sollten Daten herausgeben. DafĂŒr ist die Staatsanwaltschaft Bochum mit einem Durchsuchungsbeschluss beim Betreiber erschienen. Jedoch konnte sie keine Daten aufgrund von technischen Problemen bekommen. Sie wollte mit den Daten einen unbekannten SchlĂ€ger ermitteln, der sein Opfer schwer verletzt habe.cite-ref-39[39]

Die Rechtslage ist eindeutig im Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt.cite-ref-datenschutz-rlp-de-2022-jan-11-40-0[40] Es legt fest, dass Daten zum Zweck erhoben werden, „um nach Auftreten einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mögliche Infektionsketten nachverfolgen und unterbrechen zu können“ (§ 28a Abs. 1 Nr. 17, IfSG). „Eine Weitergabe der [
] Daten durch die zustĂ€ndigen Stellen [
] [z. B. das örtliche Gesundheitsamt] oder eine Weiterverwendung durch diese zu anderen Zwecken als der Kontaktnachverfolgung ist ausgeschlossen.“ (§ 28a Abs. 4 Satz 6 IfSG) Das heißt, das Gesundheitsamt durfte die Daten nicht zur Zeugenermittlung weitergeben. Und die Daten durften dann, nach Auffassung der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, auch nicht zur Zeugenermittlung genutzt werden.cite-ref-41[41]

Dies schĂ€tzt auch der Landesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz und die Informationsfreiheit von Rheinland-Pfalz Dieter Kugelmann so ein.cite-ref-datenschutz-rlp-de-2022-jan-11-40-1[40] Bevor er dieses Amt antrat, war er an der Deutschen Hochschule der Polizei in MĂŒnster tĂ€tig und zwar als ordentlicher UniversitĂ€tsprofessor fĂŒr Öffentliches Recht, mit Schwerpunkt Polizeirecht einschließlich des internationalen Rechts und des Europarechts.cite-ref-42[42] Er leitete, nachdem er vom Vorfall erfahren hatte, umgehend aufsichtsrechtliche Verfahren ein. Dabei soll geklĂ€rt werden, welche UmstĂ€nde dazu fĂŒhrten, dass die Daten trotz der eindeutigen Rechtslage unzulĂ€ssig abgefragt und genutzt wurden.cite-ref-datenschutz-rlp-de-2022-jan-11-40-2[40] Zum Vorfall selbst sagte er:

„FĂŒr mich ist es zunĂ€chst einmal besorgniserregend, dass sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gesundheitsamt die bereits vor einiger Zeit geĂ€nderte Rechtslage im Infektionsschutzgesetz und damit zusammenhĂ€ngende datenschutzrechtliche Bestimmungen offensichtlich nicht kannten oder sich darĂŒber hinweg gesetzt haben.“

„Das Vorgehen erschĂŒttert das Vertrauen der BĂŒrger in die RechtmĂ€ĂŸigkeit staatlichen Handelns und ist gerade in Zeiten einer die Gesellschaft als Ganzes herausfordernden Pandemie das völlig falsche Signal.“cite-ref-datenschutz-rlp-de-2022-jan-11-40-3[40]

Unterschied zur Corona-Warn-App

Im Unterschied zur Corona-Warn-App, die ursprĂŒnglich nur Alltags-Kontakte mit anderen Anwendern der Corona-Warn-App, die sich ĂŒber eine bestimmte Zeit und Entfernung begegnen, aufzeichnete (proximity tracing), zeichnet die Luca-App registrierte Besuche von Locations automatisch auf. Weil auf diese Weise alle Besucher eines möglichen Infektions-„Hotspots“ (Cluster) ermittelt werden können, spricht man auch von Cluster-Erkennung.

Die Corona-Warn-App und die Luca-App dienen beide der Risikokontaktwarnung, allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. Das Luca-App-System stellt dem Gesundheitsamt die Kontaktdaten von Personen mit Risikokontakten (auf Basis von Clustererkennung, s. o.) zur VerfĂŒgung und ermöglicht damit eine Kontaktnachverfolgung zur Unterbrechung von Infektionsketten und EindĂ€mmung der Pandemie. Die Corona-Warn-App basiert auf einem Datenschutz-Konzept mit strikter AnonymitĂ€t, d. h. die Kontaktdaten der Anwender werden nicht hinterlegt, und kann daher keine Daten zur Kontaktpersonennachverfolgung zur VerfĂŒgung stellen; Kontaktlisten können jedoch wie in einem Tagebuch manuell gefĂŒhrt werden.

Seit der Version 2.0 hat auch die Corona-Warn-App die Möglichkeit, sich bei Besuch von Locations oder Events ĂŒber einen zugehörigen QR-Code zu registrieren, um Cluster-Erkennung zu ermöglichen. Im Gegensatz zur Luca-App werden aber keine personenbezogenen Daten erfasst, sondern lediglich alle im ĂŒbereinstimmenden Zeitraum ebenfalls mit der Corona-Warn-App registrierten gewarnt, wenn ein Teilnehmer einen positiven Test erhĂ€lt und ihn ĂŒber die Corona-Warn-App teilt.cite-ref-43[43]

Technisch basiert das proximity tracing der Corona-Warn-App auf dem Austausch von anonymen IDs ĂŒber Bluetooth und der Berechnung des Risikos einer Infektion aus geschĂ€tztem Abstand und Dauer. Luca-App-System basiert technisch lediglich auf der Erfassung von Cluster-spezifischen Codes (QR-Codes), was auch die Corona-Warn-App seit Version 2.0 ermöglicht.

WÀhrend bei dem Luca-App-System diese Daten zentral gespeichert werden, erfolgt bei der Corona-Warn-App keine zentrale Erfassung personenbezogener Daten. Es werden bei der Corona-Warn-App lediglich die einer Person in der App zugeordneten anonymen IDs und Event IDs zentral veröffentlicht, wenn diese einen positiven Test teilt.

Entwicklung

Als Urheber des Luca-App-Systems bezeichnet sich das Berliner IT-Startup neXenio GmbH, eine AusgrĂŒndung des Hasso-Plattner-Instituts.cite-ref-beruns-44-0[44] Es wurde im Oktober 2015 gegrĂŒndet mit dem Zweck der „Entwicklung und Betrieb von IT-Services und -Anwendungen im Bereich Cloud Speichern, kollaboratives Arbeiten, Social Media Analysis und Data Mining“. Es hat 50 Mitarbeiter und wird gehalten von Patrick Hennig (* 1988), Philipp Berger (* 1987) (jeweils 35,5 %) und Christoph Meinel (20,5 %). Neben der Luca-App nennt die Website der Gesellschaft weitere Produkte und Lösungen u. a. in den Bereichen Cloud-basiertes Whiteboard, Cloud-Anbieter, interaktionsloses Zugangskontrollsystem, Ticketing u. a. fĂŒr die Veranstaltungs- und Reisebranche.cite-ref-creditreform-45-0[45]

Inhaber und Betreiber des Luca-App-Systems ist die Culture4Life GmbH,cite-ref-46[46] an der neben der neXenio GmbH (41 %) auch Marcus Trojan UG (27,5 %, GeschĂ€ftsfĂŒhrer), Fantastic Capital Beteiligungsgesellschaft UG (22,9 %) sowie Centineo Investment I GmbH & Co KG (8,3 %) beteiligt sind. Unternehmenszweck ist die Erbringung von Dienstleistungen in der Informationstechnik.cite-ref-creditreform-45-1[45]

Die im November 2020 gegrĂŒndete Fantastic Capital Beteiligungsgesellschaft UG beteiligt sich „an Unternehmen, insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung und des Vertriebes“.cite-ref-47[47] Die Gesellschafter werden im Handelsregister nicht genannt. Jedoch nennt die Website der Luca-App „einige Kulturschaffende, wie die Band Die Fantastischen Vier“ als Mitglied des Teams.cite-ref-beruns-44-1[44] In der Stuttgarter Zeitung nimmt Thomas D dazu Bezug, demnach war die Band maßgeblich an der Vermarktung der App beteiligt.cite-ref-48[48] Besondere Medienaufmerksamkeitcite-ref-beruns-44-2[44] erreichte Luca dadurch, dass Michael Schmidt alias Smudo, Frontmann der deutschen Hip-Hop-Band Die Fantastischen Vier, als Botschafter fĂŒr diese Lösung auftritt,cite-ref-49[49] aktiv fĂŒr sie wirbtcite-ref-50[50] und sich offenbar auch an ihrer Finanzierung beteiligt hat (s. u.).

Als weiteres Teammitglied wird Franz de Waal, MitgrĂŒnder und CEO von FREIRAUM (einer Retail-Plattform) und CONTINEO Investments (einer Vermögensverwaltung), genannt.

Verbreitung, Kosten

In den Kommunen von Rostock, Sylt, Föhr und Amrum sind Besucher aufgerufen, eine Corona-Nachverfolgung ĂŒber Luca zu ermöglichen.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52] Ebenso bieten Husum, der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt und Jena in ThĂŒringen diese Möglichkeit.

Mehrere BundeslĂ€nder, Bezirke, Kreise oder Kommunen fĂŒhrten das Luca-App-System fĂŒr ihre GesundheitsĂ€mter ein. Bis November 2021 hatten 13 BundeslĂ€nder eine Lizenz gekauft:cite-ref-zeit211111-53-0[53]cite-ref-breithut-54-0[54] Mecklenburg-Vorpommern,cite-ref-55[55] Berlin,cite-ref-56[56] Brandenburgcite-ref-57[57], Baden-WĂŒrttemberg,cite-ref-bundesl-nder-58-0[58]cite-ref-59[59] Niedersachsen,cite-ref-60[60] Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen,cite-ref-bundesl-nder-58-1[58] Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Saarland und Bayern.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62] Beispiel fĂŒr Kreise, Kommunen und StĂ€dte, die das System einfĂŒhren, sind die Landkreise Emsland, Warendorf, Breisgau-Hochschwarzwald und OsnabrĂŒck sowie die StĂ€dte Kiel und Freiburg.

Bis 27. Juli 2021 waren knapp 80 % (319 von 400) der GesundheitsĂ€mter angeschlossen.cite-ref-63[63] Die App wurde bis 10. April 2021 rund 3,3 Millionen Mal heruntergeladen. 64.000 Locations haben sich registriert.cite-ref-breithut-54-1[54] Nicht jeder Download fĂŒhrt zu einer mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸigen Nutzung aller oder einiger der unterschiedlichen Funktionen der App. So gibt es GrĂŒnde, die App mehr als ein Mal herunterzuladen, etwa wenn jemand mehr als ein Smartphone besitzt oder zu Test-Zwecken. Bis April 2022, als die Betreiber nach dem Auslaufen der VertrĂ€ge mit den BundeslĂ€ndern bekanntgaben, dass die App zukĂŒnftig bis auf weiteres nicht mehr zur Kontaktverfolgung eingesetzt werden wĂŒrde, hatten sich laut Luca 450.000 Locations und etwa 40 Millionen BĂŒrger registriert.cite-ref-br24-5-3[5]

Nach Recherchen von Netzpolitik.orgcite-ref-netzpolitik-org20miofuerluca-64-0[64] haben die 13 BundeslĂ€nder bis April 2021 mehr als 20 Mio. Euro fĂŒr Luca ausgegeben. Bis Januar 2022 gab das Land Bremen zum Beispiel 220.000 Euro dafĂŒr aus.cite-ref-bremen-65-0[65] Diese LizenzgebĂŒhren decken die Nutzung der FunktionalitĂ€t (WeboberflĂ€che, Systemkomponenten) und Infrastruktur fĂŒr die GesundheitsĂ€mter (Betrieb, Support und Wartung) sowie die SMS-Kosten fĂŒr die Verifikation der Telefonnummern ab, und zwar fĂŒr ein Jahr.

Der Vergabesenat des Oberlandesgerichts Rostock hat am 11. November 2021 geurteilt, dass die Direktvergabe an die Luca-App durch das Land Mecklenburg-Vorpommern unwirksam sei, da ein Wettbewerbsverstoß vorlag.cite-ref-jusonlinemv211111-66-0[66]

Nach einer Umfrage des Vorsitzenden des CCC Freiburgs, Jens Rieger, wurde das System bis Ende April 2021 von den allermeisten der bislang an das System angeschlossenen GesundheitsĂ€mter gar nicht benutzt (siehe Reaktionen).cite-ref-67[67] Im August 2021 hat das Magazin „Der Spiegel“ bei 200 der mehr als 300 GesundheitsĂ€mtern angefragt und in 114 Antworten festgestellt, dass die HĂ€lfte der antwortenden GesundheitsĂ€mter noch nie Daten durch das Luca-System erhalten hat.cite-ref-68[68] Der CCC Freiburg hat im Aprilcite-ref-69[69] und Augustcite-ref-cwa-70-0[70] jeweils alle GesundheitsĂ€mter angefragt und kommt zu Ă€hnlichen Ergebnissen. Im Land Bremen wurde die App bis Januar 2022 nur tatsĂ€chlich in zehn FĂ€llen von den beiden GesundheitsĂ€mtern genutzt.cite-ref-bremen-65-1[65]

Alternativen

Mitbewerber sind die in Nordrhein-Westfalen teilweise eingesetzten Lösungen Corona-Anmeldung.de, Darfichrein, recover, Kontakterfassung.de oder Hygiene-Ranger.cite-ref-71[71] Weitere alternative Lösungen mit vergleichbarem Funktionsangebot sind Warn-App NINA, GastIdent, Inscribe, e-guest, SmartMeeting und NotifyMe (basierend auf dem CrowdNotifier-Protokoll).

Das BĂŒndnis Wir fĂŒr Digitalisierung, hinter dem zahlreiche Lösungsanbietercite-ref-72[72] stehen, wirbt fĂŒr ein Gesundheitsamtportal als einheitliche und offene Schnittstelle, an die verschiedene digitale Lösungen fĂŒr Kontaktverfolgung Daten liefern und auf die die GesundheitsĂ€mter zugreifen können.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]cite-ref-75[75] Diese Schnittstelle steht als „IRIS Connect“cite-ref-76[76] seit Mitte Juni 2021 den GesundheitsĂ€mtern zur VerfĂŒgung. Die Luca-App ist nicht an das IRIS System angeschlossen.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]

Kritik

An dem Luca-App-System wie auch an der Kommunikation der Entwickler bzw. Betreiber entzĂŒndete sich mehrfach Kritik: So forderte der Chaos Computer Club (CCC) in einer Pressemitteilung vom 15. MĂ€rz 2021cite-ref-79[79] die „Bundesnotbremse fĂŒr die Luca-App“ und erklĂ€rte: „Zweifelhaftes GeschĂ€ftsmodell, mangelhafte Software, UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei der Auftragsvergabe: Der Chaos Computer Club (CCC) fordert das sofortige Ende der staatlichen Alimentierung von Smudos Steuer-Millionengrab ‚Luca-App‘“.

Einkauf der App trotz schwerer MĂ€ngel, ohne staatliche Ausschreibung / Vergabeverfahren

13 von 16 BundeslĂ€ndern kauften die Lizenzen der Luca App. ThĂŒringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen entschieden sich gegen die App.cite-ref-80[80]cite-ref-zeit211111-53-1[53] Kritik erhielten die BundeslĂ€nder, weil sie Lizenzen fĂŒr die Luca App kauften, obwohl diese erhebliche Sicherheits- und DatenschutzmĂ€ngel aufweist. Außerdem wurden den BundeslĂ€ndern Manipulationen bei der Vergabe vorgeworfen; gewöhnlich gibt es öffentliche Ausschreibungen, die BundeslĂ€nder verzichteten in diesem Fall darauf. Das OLG Rostock entschied im November 2021 mit dem Aktenzeichen 17 Verg 4/21 rechtskrĂ€ftig, dass der Kauf von Luca durch das Land Mecklenburg-Vorpommern rechtswidrig war.cite-ref-jusonlinemv211111-66-1[66] Mecklenburg-Vorpommern hatte als erstes Bundesland eine Lizenz fĂŒr 440.000 € erworben.cite-ref-zeit211111-53-2[53]cite-ref-netzpolitik-org20miofuerluca-64-1[64]

Transparenz, ÜberprĂŒfbarkeit

Der Betreiber des Luca-App-Systems hat das System auf seiner Website und zusÀtzlich die sicherheitsrelevanten Informationen in einem Sicherheitskonzept veröffentlicht.cite-ref-securityconcept-19-2[19] Es wird kritisiert, dass das Sicherheitskonzept in kritischen Punkten unkonkret bleibt.

Als Reaktion auf die anhaltende Kritik seitens IT-Sicherheitsexperten fingen die Betreiber an, Teile des Quelltexts der App zu veröffentlichen.cite-ref-81[81] Am 31. MĂ€rz 2021 legte der Entwickler mit der Android-App einen ersten Teil des Quelltexts unter der Open-Source-Lizenz GPLv3 offen. Der Quelltext fĂŒr die iOS-App wurde am 12. April und fĂŒr die Server-Anwendung und die Web-BenutzeroberflĂ€chen am 14. April 2021 veröffentlicht.cite-ref-82[82]cite-ref-83[83] Patrick Hennig, CEO der neXenio GmbH, kommentierte „Das ist ein sicherheitskritisches System; da veröffentlicht man nicht nebenbei den Quellcode.“cite-ref-84[84]

Das Prinzip, die Funktionsweise eines sicherheitsrelevanten Systems unter Verschluss zu halten, heißt Security through obscurity und ist in der Fachwelt umstritten.

Privatwirtschaftlicher Ansatz, Gewinnabsicht, intransparente Finanzstruktur

Ferner wird kritisiert, dass das System von einem privatwirtschaftlichen Unternehmencite-ref-85[85] mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben werde, das eine nach außen nicht transparente Finanzierungsstruktur aufweise.

Insbesondere wird in diesem Zusammenhang kritisiert, dass Betreiber bzw. Entwickler durch die Vermarktung der Funktionen GĂ€steregistrierung, Datenlieferung fĂŒr Kontaktnachverfolgung und Risikokontaktwarnungen an die öffentliche Verwaltung, und das ohne Ausschreibung (s. u.), mithilfe von öffentlichen Geldern eine große installierte Basis bei Anwendern wie auch bei Locations erreichen werden, um dann darĂŒber hinausgehende Funktionen (z. B. Ticketing, Reservierung, u. v. m.) an die Nutzer anbieten zu können oder die Plattform an Dritte verkaufen.cite-ref-86[86] Die Anwender hĂ€tten der Nutzung ihrer personenbezogenen Daten aber fĂŒr weitergehende Funktionen nicht wissentlich zugestimmt.

Der CCC dazu:cite-ref-87[87]

„Obwohl Steuergelder großzĂŒgig eingesetzt werden, verbleiben Daten, App und Infrastruktur selbstverstĂ€ndlich in den HĂ€nden der privatwirtschaftlichen Betreiber. Dabei gelten die teuren Lizenzen nur fĂŒr ein Jahr – genug Zeit, um die Luca-App zum de-facto-Standard fĂŒr Einlass-Systeme zu machen. Mecklenburg-Vorpommern hat die Nutzung bereits offiziell im Rahmen der Infektionsschutzverordnung verpflichtend angeordnet. FĂŒr die Zeit nach der Finanzierung durch den Steuerzahler haben die EigentĂŒmer schon heute PlĂ€ne zur weiteren Kommerzialisierung der Kontaktverfolgung: Neben der Anbindung in Ticketing-Systeme hofft man auf breite Verbindung mit unterschiedlichen GeschĂ€ftsmodellen. Die Marke ‚Luca‘ wurde mit unternehmerischer Weitsicht unter anderem fĂŒr ‚Zutrittskontrolle, Besuchermanagement, gedruckte Eintrittskarten, sowie fĂŒr die Reservierung von Tickets fĂŒr Veranstaltungen, insbesondere fĂŒr Kultur- und Sportveranstaltungen, politische Veranstaltungen, Veranstaltungen fĂŒr Bildungs- und Fortbildungszwecke und fĂŒr wissenschaftliche Tagungen‘ im Markenregister eingetragen.“

cite-ref-88[88]

ZentralitĂ€t der Datenspeicherung, VerschlĂŒsselung, Schwachstellen, De-Anonymisierung

Kritisiert wird die zentrale Speicherung der Check-in-Daten mit individuellen Kontaktdaten. Dies wecke Begehrlichkeiten eines illegalen Zugriffs auf diese Daten. Allein die Metadaten verrieten viel ĂŒber die Nutzer, so dass es sich fĂŒr kriminelle Hacker selbst dann lohne, diese zu erbeuten, wenn dies aufwendig sei. Diese Kritik teilt auch die Juristin Kirsten Bock. Nach Bock sei die zentrale Speicherung der Daten unabhĂ€ngig von einer VerschlĂŒsselung problematisch. Troncoso sieht hier auch das Problem der indirekten Erfassung sensibler Daten durch die Erfassung der Orte und Veranstaltungen, an die das Luca-System gekoppelt ist.

Theresa Stadler, Wouter Lueks, Katharina Kohls und Carmela Troncoso, Datensicherheitsforscher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL/ETHL) und Mitentwickler des Protokolls fĂŒr eine anonyme Risikokontaktwarn-Lösung CrowdNotifer,cite-ref-89[89] haben am Sicherheitskonzept des Betreiberscite-ref-securityconcept-19-3[19] denkbare Schwachstellen festgestellt,cite-ref-90[90] die ohne veröffentlichten Quelltext nicht falsifiziert werden können. Wesentliche Basis der möglichen Schwachstellen sei dabei die zentrale Datenhaltung: Auf den Backend-Servern des Betreibers lĂ€ge eine sehr große Menge sensibler, personenbezogener Daten. Aus diesen wie auch aus Metadaten, wie IP-Adresse und verwendete GerĂ€te, könnten grundsĂ€tzlich Personen- und Bewegungsprofile, z. B. auch die Zugehörigkeit zu Menschengruppen, oder die Tatsache, dass Personen infiziert sind, abgeleitet werden. Diese Informationen könnten fĂŒr den System-Betreiber, einen missbrĂ€uchlichen Anwender, einen Angreifer oder Strafverfolgungsbehördencite-ref-91[91] von großem Wert sein. Troncoso sagte dazu: „Ich finde es gefĂ€hrlich, wenn Daten ĂŒber Events in einer zentralen Datenbank gesammelt werden“, denn Veranstaltungen könnten auch religiöse, politische Versammlungen oder vertrauliche Treffen sein.cite-ref-wolfnagel-28-1[28]

Unter bestimmten UmstĂ€nden könnten auch Nutzer de-anonymisiert und eine Historie eines Anwenders abgeleitet werden.cite-ref-92[92] Auch Peter Schaar, bis 2013 Bundesbeauftragter fĂŒr den Datenschutz und die Informationsfreiheit, kommt zu der EinschĂ€tzung, dass eine Kombination aus Risikokontaktdaten und Check-In-Daten die Gefahr einer De-Anonymisierung erhöhe.cite-ref-wolfnagel-28-2[28]

Die Datenschutzaktivistin Lilith Wittmann spricht von gravierenden MĂ€ngeln im Bereich der VerschlĂŒsselung, die sie entdeckt habe: Verwaltung der SchlĂŒssel im Browser sowie die fehlende Erkennbarkeit des Inhabers des jeweiligen SchlĂŒssels.cite-ref-93[93] Zudem wird kritisiert, dass es unter UmstĂ€nden möglich sein könnte, mittels anderer Daten (z. B. IP-Adressen oder GerĂ€te-Daten) RĂŒckschlĂŒsse auf die Personen zu ziehen (Fingerprinting).cite-ref-wolfnagel-28-3[28]

AnonymitÀt

Der Hersteller wirbt auf seiner Websitecite-ref-94[94] mit einer „anonymen, sicheren und digitalen KontaktdatenĂŒbermittlung“, die ausschließlich von den GesundheitsĂ€mtern entschlĂŒsselt werden könne. Da den GesundheitsĂ€mtern die Zuordnung von Daten zu einer Person möglich ist, kann tatsĂ€chlich lediglich von einer VerschlĂŒsselung gesprochen werden.cite-ref-95[95] „Eventuell wĂ€ren noch eine weitergehende pseudonyme Nutzung und weitere Verbesserungen möglich“, sagte der frĂŒhere Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins.cite-ref-96[96]

Ein System, das den Anforderungen der AnonymitĂ€t gehorcht, wie z. B. die Corona-Warn-App (s. o.), kann prinzipbedingt keine Daten fĂŒr eine Kontaktnachverfolgung liefern, weil personenbezogene Daten nicht erfasst und nicht gespeichert werden können.

Unklare Angaben in der DatenschutzerklÀrung, fehlende DatenschutzfolgenabschÀtzung

Kritiker bemĂ€ngeln, die DatenschutzerklĂ€rung sei in Teilen unklar. So könnten gemĂ€ĂŸ der Datenschutz-ErklĂ€rung der App Fingerabdruckdaten (s. o.) zur VerfĂŒgung gestellt werden, die bei einer Übertragung abgefangen werden könnten.

Ferner wird kritisiert, dass es keine eigentlich vorgeschriebene DatenschutzfolgenabschĂ€tzung gĂ€be. Nach Angaben von neXenio gibt es eine DatenschutzfolgenabschĂ€tzung, „die sich gerade [9.4.21] in Abstimmung mit der Berliner Datenschutzbehörde befindet.“cite-ref-97[97]

Mangelnde KompatibilitÀt

Zudem wird kritisiert, dass das System nicht zu allen Smartphones kompatibel sei.cite-ref-98[98] Die App ist fĂŒr Android und iOS verfĂŒgbar (s. o.), Checkins sind alternativ mittels Webinterface und SchlĂŒsselanhĂ€ngern möglich (s. o.).

Anmeldung mit falschen Kontaktdaten, Missbrauch

Da die Verifikation der Telefonnummer auf dem Client stattfindet, ist es möglich diese z. B. mittels eines manipulierten Web-Clients zu umgehen und so beliebige Telefonnummern zur Registrierung zu verwenden.cite-ref-99[99] Auch in der App selbst ist es möglich, sich mit falschem Namen, Postadresse oder E-Mail-Adresse zu registrieren. Eine SMS-TAN-Verifzierung der Mobilnummer kann umgangen werden.cite-ref-100[100] Zudem ist es möglich, sich anhand von Fotos, die einen QR-Code zeigen, in einer Location anzumelden, ohne tatsĂ€chlich dort zu sein.cite-ref-101[101] Ferner ist es möglich, sich mit einem Foto von einem QR-Code auf einem SchlĂŒsselanhĂ€nger in einer Location als fremde Person einzuloggen. Die Android-App ermöglicht die anonyme Registrierung mit Benutzerdaten, die im Quellcode zu Testzwecken hinterlegt wurden.cite-ref-102[102]

Geofencing

Die Luca App nutzt Geofencing, durch das sich die Anwendung an Orten automatisch ausbuchen kann. Viele DatenschĂŒtzer und IT-Sicherheitsexperten sehen diese Funktion aufgrund der damit verbundenen laufenden Positionserfassung kritisch.cite-ref-103[103] Der Benutzer muss im Betriebssystem fĂŒr die App das Recht zur Ortung erteilen. Geschieht dies nicht, mĂŒssen sich die Anwender manuell ausbuchen.

Barrierefreiheit

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband kritisiert, dass die Luca-App nicht barrierefrei ist.cite-ref-104[104]

Luca Track: Bewegungsprofil von Nutzern der SchlĂŒsselanhĂ€nger

Im April 2021 deckten Bianca Kastl und Tobias Ravenstein eine Schwachstelle auf, mit der Bewegungsprofile von Anwendern aufgezeichnet werden können, die statt der App den SchlĂŒsselanhĂ€nger verwenden.cite-ref-105[105]

Angriff auf GesundheitsÀmter und Datenklau durch Code-Injection

Marcus Mengs, Bianca Kastl und weitere Personen veröffentlichten im Mai 2021 eine gravierende SicherheitslĂŒcke. Demnach kann ein normaler Nutzer den Datenexport des Gesundheitsamts manipulieren und so nicht nur die persönlichen Daten aller an einem Ort eingecheckten Personen bekommen, sondern auch die IT-Systeme des jeweiligen Gesundheitsamts angreifen. Somit ist ein Remote-Code-Execution-Angriff ĂŒber Microsoft Excel möglich.cite-ref-106[106]cite-ref-107[107]cite-ref-108[108]

Standorterstellung

Veranstalter in Halle (Saale) hatten bei der Erstellung von Locations mit der Luca App Probleme. Die App war nicht in der Lage Sonderzeichen, wie Klammern, zu verarbeiten, wenn ĂŒber das Adress-Feld der App Orte verarbeitet werden mĂŒssen, die Sonderzeichen enthalten. Dies fĂŒhrte zu Problemen, wie etwa dem Ausfall des automatischen Checkouts.cite-ref-109[109]

Dark Pattern

Seit Anfang Juli 2021 forderte die Android-Luca-App ihre Nutzer auf, die Luca-App im App-Store von innerhalb der App zu bewerten. Dabei verwendete sie eine missverstĂ€ndliche Formulierung, wodurch die Nutzer fĂ€lschlich zum Beispiel das Restaurant, in dem sie gerade gegessen haben, bewerten anstatt die Luca-App selbst. Dies fĂŒhrte dazu, dass die durchschnittliche Bewertung der Luca-App im Google-Play-Store von weniger als drei Sterne auf viereinhalb bis fĂŒnf Sterne hoch schnellte.cite-ref-110[110]

Reaktionen

Gemeinsame Stellungnahme von fĂŒhrenden IT-Sicherheitsforschern

Mehr als 70 fĂŒhrende deutsche IT-Sicherheitsforscher kritisierten die Luca-App in einer gemeinsamen Stellungnahme, nachdem mehrere BundeslĂ€nder die App teuer eingekauft hatten.cite-ref-kontaktnachverfolgung-111-0[111] Sie sprachen sich gegen einen „De-facto-Zwang zur Nutzung einer Lösung“ aus, weil die App „grundlegende Entwicklungsprinzipien eklatant verletzt.“ Unter anderem beklagten sie die Intransparenz des Systems und dass „selbst leicht zu findende SicherheitslĂŒcken“ erst bei der Inbetriebnahme gefunden worden seien. Weitere Punkte der Kritik waren Erfassung von Bewegungs- und Kontaktdaten in großem Umfang. Diese Daten dann an einer zentralen Stelle aufzubewahren sei ein großes Risiko; selbst große Firmen haben große Schwierigkeiten, eine solch zentrale Stelle vor Angriffen zu schĂŒtzen: „Es ist nicht zu erwarten, dass dies einem Start-up, das bereits durch zahlreiche konzeptionelle SicherheitslĂŒcken, Datenleaks und fehlendes VerstĂ€ndnis von fundamentalen Sicherheitsprinzipien aufgefallen ist, besser gelingen sollte.“cite-ref-112[112] Das Luca-System erfĂŒlle keines der vier Grundprinzipien, welche die IT-Sicherheitsforscher bereits vor einem Jahr in der Debatte um die Corona-Warn-App aufgestellt hatten: Zweckbindung, Offenheit und Transparenz, Freiwilligkeit und RisikoabwĂ€gung.cite-ref-kontaktnachverfolgung-111-1[111] Die mit dem Luca-System verbundenen Risiken erschienen „völlig unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig, da sie den erwarteten Nutzen deutlich ĂŒberwiegen“.cite-ref-113[113] Der Nutzen bleibe zweifelhaft.cite-ref-114[114]

Stellungnahme des Chaos Computer Clubs

In einer öffentlichen Stellungnahme des Chaos Computer Clubs (CCC) vom 13. April 2021 beschrieb der deutsche Verein die Luca App wie folgt: „[z]weifelhaftes GeschĂ€ftsmodell, mangelhafte Software, UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei der Auftragsvergabe: Der Chaos Computer Club (CCC) fordert das sofortige Ende der staatlichen Alimentierung von Smudos Steuer-Millionengrab ‚Luca-App‘.“ Es wurden „eklatante MĂ€ngel in Spezifikation, Implementierung und korrekter Lizenzierung [
] aufgedeckt.“ Der CCC attestierte dem Hersteller einen „grundlegenden Mangel an Kompetenz und Sorgfalt“ auf Grund der „nicht abreißenden Serie von Sicherheitsproblemen“ und den „unbeholfenen“ Reaktionen darauf. Die App erfĂŒllt dabei kein einziges der zehn Kriterien des CCC fĂŒr eine Contact Tracing App. Weitere Kritikpunkte des CCC waren:

‱ die fragwĂŒrdige Vergabepraxis der BundeslĂ€nder unter Umgehung der Ausschreibungspflicht
‱ erhebliche staatliche Subventionen fĂŒr eine Lizenz, die nur ein Jahr gilt und deren Code, Daten, App und Infrastruktur privatwirtschaftlich hantiert wird; dabei werde durch das massive Eingreifen des Staates in die freie Marktwirtschaft die App zu einem de-facto-Standard fĂŒr Einlasssysteme
‱ Alternativen wurden ignoriert
‱ fragwĂŒrdiger Nutzen und begrenzte Anwendungsmöglichkeit
‱ zentrale Datenspeicherung, was eine erhebliche SicherheitslĂŒcke darstellt und aus DatenschutzgrĂŒnden problematisch ist

Unter einer Rubrik, wo sie die „bisher gefundenen Schwachstellen und Peinlichkeiten [der] Luca-App [als] bunte[n] Strauß der Inkompetenz“ beschrieben, listeten sie sechs weitere Kritikpunkte auf. Der CCC forderte einen sofortigen Stopp und eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung:cite-ref-ccc-115-0[115]

„Die zwielichtige Vergabepraxis zeugt bestenfalls von der Strahlkraft des Rappers Smudo, der bisher nicht als Programmierer oder DatenschĂŒtzer aufgefallen war: Dem Investor der culture4life GmbH, die die Luca-App in Windeseile aus dem Boden gestampft hat, ist es binnen Monaten gelungen, Millionen fĂŒr ein unreifes und untaugliches Produkt einzuwerben. Dabei vergisst Investor Smudo gern zu erwĂ€hnen, dass er mit ĂŒber 22 % am Unternehmen beteiligt ist, also nicht ohne betrĂ€chtlichen Eigennutz fĂŒr die Luca-App wirbt.“

–

Linus Neumann fĂŒr den Chaos Computer Club

Kritik vom Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik

BezĂŒglich der Veröffentlichung der Schwachstelle um die Möglichkeit einer Code-Injection, hat sich auch das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) öffentlich eingelassen. Über ihren offiziellen Twitter-Kanal teilte das BSI die Auffassung, dass das Angriffsszenario einer Code-Injection plausibel sei. Zwar war dem BSI eine Ausnutzung der Schwachstelle nicht bekannt, die Bundesbehörde reagierte allerdings auf den Umgang des Betreibers der Luca-App mit der Schwachstelle, die GesundheitsĂ€mter und Drittanbieter von Software in der Pflicht sahen. Das BSI stellte klar, dass die alleinige Verantwortung zur Unterbindung etwaiger Schwachstellen bei den Machern der Luca-App liegt.cite-ref-116[116]

Kritik von GesundheitsÀmtern

Mehrere GesundheitsĂ€mter beklagten die mangelnde Effizienz der Luca-App aufgrund der zum einen fehlenden Möglichkeit, bei großen Locations (z. B. bei AußengelĂ€nden) zu bewerten, mit welchen AbstĂ€nden Personen zueinander zugegen waren und der zum anderen fehlschlagenden Kontaktdatenerfassung.cite-ref-cwa-70-1[70]cite-ref-117[117] Hierbei ist aufgrund widersprĂŒchlicher Darstellung unklar, ob die Betreiber ihre SchlĂŒssel verlegt hatten oder ob die Übertragung der Daten nicht funktioniert hat.cite-ref-118[118]cite-ref-119[119]cite-ref-120[120] Auch beklagten sich GesundheitsĂ€mter ĂŒber die Nichterreichbarkeit des Supports.cite-ref-121[121]

Einstellung der Kontaktverfolgungs-Funktion und mögliche zukĂŒnftige GeschĂ€ftsmodelle

Nachdem die VertrĂ€ge mit den BundeslĂ€ndern Ende MĂ€rz 2022 ausgelaufen waren, gaben die Betreiber im darauffolgenden Monat bekannt, dass die App bis auf weiteres keine Kontaktdaten zur EindĂ€mmung von COVID-19 mehr erfassen werde.cite-ref-br24-5-4[5] Stattdessen kann die Luca-App genutzt werden um in Restaurants Tische zu reservieren, die Speisekarte aufzurufen und die Rechnung zu zahlen.cite-ref-122[122] Zur Finanzierung habe die Betreiberfirma bereits ĂŒber 30 Millionen Euro von verschiedenen Investoren gesichert, einer davon mit engen Verbindungen nach Russland.cite-ref-br24-5-5[5] Besonders kritisiert wird die Tatsache, dass die weite Verbreitung, auch entstanden durch die staatliche Förderung, fĂŒr die neuen GeschĂ€ftsmodelle, wie Luca-Pay, genutzt wird.cite-ref-123[123]

Literatur

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arxiv:2103.11958

Weblinks

Commons

: Luca (App)

– Sammlung von Bildern

‱ Luca App Monitoring von Ralf Rottmann
‱ Website zur App Luca

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